Eine Fotoreise in den Schwarzwald

Hoch motiviert und voller Tatendrang begann am frühen Sonntagmorgen, gegen 2:30 Uhr, unsere Fotoreise in den Nationalpark Schwarzwald. Die Erwartungen und die Vorfreude waren sowohl bei uns, als auch bei unserem Freund Silvio von “Add.Vertical – Drone Services and Photography“, sehr hoch. Während die Kilometer auf der Autobahn rasant vorbeiflogen, erlebten wir bereits die ersten beeindruckenden Naturschauspiele. Zahlreiche Blitze zuckten über den Nachthimmel und begleiteten die Fahrt. Eigentlich wollten wir gern den Sonnenaufgang im Vogtland fotografieren, aber ein Unwetter durchkreuzte leider dieses Vorhaben. Die gute Laune ließen wir uns dadurch aber nicht vermiesen, die anhaltende Vorfreude auf die schöne Landschaft im Schwarzwald war größer. Je näher wir Baden Württemberg kamen, verbesserte sich das Wetter zusehends. Nach knapp 8-stündiger Fahrt erreichten wir Bad Peterstal-Grießbach im strahlenden Sonnenschein. Die im oberen Renchtal gelegene Gemeinde ist ein bekannter Ferienort und ein namenhafter Kurort. Außerdem ist das gesamte Renchtal ein anerkanntes Lufterholungsgebiet, welches aber auch mit namenhaften Weinen weltweitbekannt ist. Wanderfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten, denn Unmengen von Pfaden und Wegen schlängeln sich durch die malerische Landschaft des badischen Wein- und Obstlandes.

 

Wir wollten sofort das gute Wetter nutzen und die nähere Umgebung erkunden. Deshalb bezogen wir schnell unsere recht großzügige Ferienwohnung. Auf einer Wanderkarte, die uns unsere nette Pensionsinhaberin zur Verfügung stellte, vermerkten wir potenzielle Spots. Jetzt konnte der eigentliche Fotourlaub beginnen. Unser erstes Ziel war die bekannte “Schwarzwald-Hochstraße“. Sie ist die älteste Panoramastraße Deutschlands und führt über 60 km von Freudenstadt bis nach Baden-Baden. Entlang der gut ausgebauten Straße, welche mit einer wunderschönen Aussicht auf die Landschaft aufwarten kann, gibt es sehr viele Haltepunkte, von denen aus ein atemberaubender Blick auf den Schwarzwald zu bestaunen ist. Wir fuhren die Hochstraße in Richtung Baden-Baden und kamen innerhalb kürzester Zeit an vielen faszinierenden Orten vorbei, die uns zum Innehalten und genießen einluden. Leider war die Fernsicht aufgrund des Dunstes in der Luft nicht die beste. Dennoch war es einfach herrlich, diese Berglandschaft zu betrachten. Am sagenumwobenen Mummelsee legten wir eine größere Pause ein. Der See liegt unterhalb der Hornisgrinde, ein Bergplateau mit einer Höhe von 1100 Metern. Dieser Aussichtspunkt eignet sich sehr gut für allerlei fotografische Motive wie z. B. Sonnenauf- und -untergang oder Astrofotografie. In der näheren Umgebung befinden sich keine höheren Berge, welche die Sicht in die Ferne versperren. Bei guten Wetterbedingungen reicht der Panoramablick bis weit nach Frankreich und Bauwerke, wie z. B. das straßburger Münster mit einer Höhe von 144 Metern, werden am Horizont sichtbar. Auf der kurzen, aber aufgrund der hohen Temperaturen, anstrengenden Wanderung schossen wir die ersten Landschaftsfotos. Ein weiteres Ziel der Reise war es neben der bergigen Landschaft des Schwarzwaldes auch die Wasserfälle der Region fotografisch festzuhalten. Deshalb fuhren wir anschließend in Richtung Allerheiligen, um die gleichnamigen Wasserfälle zu fotografieren. Angekommen an der Klosterruine aus dem 12. Jahrhundert, bemerkten wir ein herannahendes Gewitter mit tiefem Donnergrollen hoch oben über dem Tal. Darum setzten wir uns gleich wieder ins Auto und fuhren schnellstmöglich bergauf, um die Gewitterzelle im vollen Umfang zu sehen und vor allem fotografieren zu können. Aufgrund der zahlreichen Serpentinen waren das wohl die rasantesten 8 Kilometer des gesamten Urlaubes. Am Skilift Ruhestein ergab sich, die erste Möglichkeit einen Blick auf die gesamte Zelle zu werfen. Außer einem kurzen Donnern und einem kurzen Regenschauer gab es allerdings nicht sehr viel zu sehen. Nur vereinzelt zuckten Blitze über den Himmel, die aber keiner von uns mit der Kamera einfangen konnte. Auf dem Weg zur Unterkunft erblickten wir am Horizont die nächsten Gewitterköpfe. Unterhalb des Schliffkopfes existiert eine wunderbare Aussicht gen Süden über den Nationalpark Schwarzwald. Wir positionierten unsere Kameras und beobachteten die Zugrichtung der Gewitterwolken. Nach einigen geschossenen Fotos, schwächte sich allerdings das Gewitter zunehmend ab. Deshalb verließen wir nach einer Weile diesen Spot in Richtung Pension. Dort angekommen, stärkten sich alle und die grobe Planung für den Ablauf der nächsten Tage wurde erstellt. Gegen 22 Uhr sollte der erste Tag unserer Reise zu Ende gehen, aber ein Blick auf die Wetterdaten verkündete eine heraufziehende Gewitterfront, welche direkt auf uns zukam. Ohne lang zu Überlegen schnappte sich jeder seine Ausrüstung und die Fahrt zur Schwarzwald-Hochstraße begann. Angekommen an der Alexanderschanze verschafften wir uns einen Überblick über die Position der einzelnen Zellen. Da am Horizont zahlreiche Blitze zu sehen waren, baute jeder rasch sein Equipment auf. Da uns der Blick nach Süden nicht gefiel bzw. Bäume die Sicht versperrten, begann die Suche nach einem besseren Standort. Wir fuhren Richtung Kniebis um freie Sicht in ein Tal zu bekommen. Durch Zufall fanden wir ein Schild mit der Aufschrift “Talblick“ am Straßenrand. Doch dieser Spot erwies sich als wenig hilfreich, da das Gewitter anders zog als gedacht. Deshalb ging es zurück zur Alexanderschanze und dort gelangen uns dann die besten Blitzbilder. Nachdem der Regen immer näher kam und zudem der Respekt vor der Naturgewalt größer wurde, packten wir unsere Ausrüstung zusammen und beendeten gegen 3 Uhr müde und erschöpft den ersten Tag unserer Reise.

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Der nächste „Morgen“ begann relativ spät und entspannt, da sich das Wetter nicht von seiner schönsten Seite präsentierte. Dennoch konnte uns das nicht davon abhalten endlich Wasserfälle zu fotografieren. Doch zu aller erst deckten wir uns mit reichlich Proviant für die nächsten Tage ein. Am Nachmittag starteten wir in Richtung Allerheiligen. Zuvor suchten wir jedoch einen anderen Spot auf. In der Wanderkarte war ein Wasserfall, auf dem direkten Weg nach Allerheilligen, eingezeichnet. Dieser liegt etwas abseits der ausgeschilderten Wanderwege. Diese Tatsache erhöhte die Attraktivität der Lokation um ein Vielfaches. Nach kurzer Suche und Wanderung durch das Unterholz fanden wir den Wasserfall an einer steilen Felswand.

Von dieser stürzte ein kleiner Bach hinunter, der bergabwärts mit dem Grießbächle zusammenfließt. Er war nicht weiter spektakulär, aber aufgrund seiner Lage sehr idyllisch anzuschauen. Nach einigen Fotos setzten wir unsere Reise fort. In Allerheiligen angekommen, begaben wir uns auf den Weg in Richtung Wasserfall. Währenddessen konnten wir uns einen guten Überblick über die örtlichen Gegebenheiten verschaffen. Der hier fließende Lierbach fällt über sieben natürliche Stufen, insgesamt 83 Meter, in die Tiefe. Nach einer kurzen Beratung über das weitere Vorgehen, schnappte sich jeder seine Kameraausrüstung und suchte sich seinen persönlichen Standpunkt. Dank der Stative positionierten wir uns nur knapp oberhalb der Wasserlinie. Dadurch entsteht bei Langzeitbelichtungen ein ganz eigener Bildlook. Mit vollem Körpereinsatz wurde ein Foto nach dem anderen geschossen. Da die Felsen teilweise zu nass und rutschig waren, ging es ohne Schuhe durch das eiskalte Wasser, Kneippkur einmal anders.Nachdem die unterste Fallstufe ausführlich abgelichtet wurde, zogen wir weiter zu den höher gelegenen Fallstufen. Wir verbrachten sehr viel Zeit am Wasser, da es ein einmaliges Erlebnis war. In unserer Region gibt es keine großen Wasserfälle, sodass jeder den Anblick des tosenden Wassers genoss. Auf dem Weg zurück zum Auto schoss uns eine einmalige Idee durch den Kopf, die Wasserfälle in der Nacht zu fotografieren. Kurze Zeit später nahm die Idee bereits konkrete Formen an und wir kauften wasserdichte Beutel, um darin Taschenlampen zu verpacken. Zurück in der Pension sichteten wir die Bilder vom Tag auf dem Laptop. Dabei schmiedeten wir Pläne, wie das Vorhaben genau umgesetzt werden könnte. Gegen Mitternacht ging es zurück nach Allerheiligen, um die Idee zu verwirklichen. Auf der Fahrt bemerkte Georg den sternenklaren Himmel. Deshalb stoppten wir unterwegs an einer Aussichtsplattform, die wir Tags zuvor entdeckt hatten. Der Studentenfelsen befindet sich direkt oberhalb der Wasserfälle und bietet einen schönen Blick über das Tal. Jeder hielt gespannt Ausschau nach der Milchstraße. Da uns der Blick aber durch Bäume versperrt blieb, packten wir etwas enttäuscht unsere Ausrüstung wieder zusammen. Zurück auf dem Parkplatz, entdeckte Silvio plötzlich die frei sichtbare Milchstraße direkt über unseren Köpfen. Völlig begeistert bauten Georg und Silvio in Windeseile ihre Kameras auf und schossen ein Bild nach dem anderen. Marco hielt sich zurück und arbeitete mit Georg in einem Team. Nachdem die beiden die optimalen Kameraeinstellungen fanden, versuchten sie sich an einer Timelape. Dabei werden in bestimmten Zeitabständen Bilder aufgenommen. Später werden die einzelnen Fotos als Video zusammengesetzt. Nach einigen Stunden fiel uns das eigentliche Ziel der Tour wieder ein. Wir waren ja ursprünglich gestartet um die Wasserfälle in der Nacht zu fotografieren. Durch die aufziehende Dämmerung verblasste die Milchstraße zunehmend. Deshalb entschlossen wir uns weiter zu ziehen. Leider war das Vorhaben – Wasserfall in der Nacht, zu dieser “späten Stunde“ nicht mehr so umsetzbar wie gedacht. Die “blaue Stunde“ durchkreuzte unsere Pläne. Dennoch waren wir mit den Aufnahmen der Milchstraße sehr zufrieden und fuhren glücklich nach Hause.

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Der Dienstag begann aufgrund der langen Nacht wieder relativ spät. Da sich das Wetter nicht wirklich verbesserte, verbrachten wir den Nachmittag mit dem Auswerten der ersten Bilder und Silvio bereitete seine Drohne vor. Das Wetter spielte glücklicherweise keine Rolle für das geplante Lightpainting an den Wasserfällen. Deshalb begannen am Abend die Vorbereitungen für das Nachtshooting. Wir verpackten Taschenlampen und farbige LED-Lampen in wasserdichte Beutel. Gegen 22 Uhr startete das Shooting an der untersten Fallstufe in Allerheiligen. Der Weg war diesmal wesentlich kürzer, da Marco dank ausführlicher Kartenstudie den unteren Zugang zu den Wasserfällen entdeckte. Silvio baute seine Kamera auf, während Georg und Marco sich mit den Taschenlampen und LED´s rund um den Spot platzierten. Nach einigen Versuchen bekamen wir langsam ein Gefühl dafür, wie lange die einzelnen Lampen auf das Wasser gerichtet werden mussten, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Dabei kreierten wir Belichtungsmuster auf die Sekunde genau. Eine Rettungsdecke, aus einem Verbandskasten, nutzten wir als Reflektor. Dazu befestigte Georg die Folie an einem Geländer, dass sich zentral vor dem Wasserfall auf einer kleinen Brücke befand. Während der Langzeitbelichtung hielt Georg die Folie in der optimalen Position. Marco stand im Wasser und arbeitete das Belichtungsmuster mit Taschenlampen und LED's ab. Silvio achtete auf die Zeit und schoss die Bilder. Als die Fotos im Kasten waren, warfen wir die präparierten Taschenlampen genau in das tosende Wasser, dass aus mehreren Metern Höhe über eine Felskante in die Tiefe stürzte. Durch die Wassermassen und Verwirbelungen fingen die Lampen an, auf dem Wasser zu tanzen. Die Beutel sicherten wir mit einem Strick, sodass uns die Taschenlampen erhalten bleiben. Doch durch einen unglücklichen Zufall landete das lose Ende ebenfalls im Wasser. Am Schluss trieben mehrere unserer verpackten Lampen wild im Wasser herum und nur durch Glück bekamen wir sie zurück ins Trockene. Bei den Fallstufen weiter oben forderten wir ein weiteres Mal unser Glück heraus. Wir lieferten unsere Lichter ganz den Wassermassen aus. Silvio warf die Lampen ein Stück oberhalb des Wasserfalles in die reisenden Fluten, während Marco mit seiner Kamera darauf wartete, bis die Lampe, dem freien Fall entgegen schwamm. Durch die Langzeitbelichtung wird der Verlauf der Taschenlampe auf dem Foto sichtbar. Uns gefiel diese Bildidee so gut, dass wir sie an einigen Stellen ausprobierten. Nach reichlich 6 Stunden und geschätzten 100 Bildern traten wir erschöpft, aber stolz, die Heimreise in unserer Unterkunft an.

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Nach einer wieder recht kurzen Nacht, starteten wir am Mittwochnachmittag in Richtung Glaswaldsee. Diesen Spot empfahl uns die Pensionsinhaberin, da es ein natürlich belassener Waldsee ist. Vom Mülbensattel aus starteten wir die knapp 4 km lange Wandertour durch den Schwarzwald. Voller Zuversicht nahmen wir die Drohne von Silvio mit. Zu Anfang war die Wanderung noch sehr entspannt. Bald bemerkten wir aber, dass uns der Weg permanent bergauf führte. Dies mit einer 5 kg schweren Drohne und dem Kameraequipment im Gepäck machte sich schnell bei uns bemerkbar. Nach circa einer Stunde erreichten wir die Seeebene oberhalb des eigentlichen Sees. Doch leider spielte das Wetter nicht mit und die gesamte Ebene war von dicken Nebelschwaden umgeben. Dadurch war ein Start der Drohne undenkbar und die Luftaufnahmen blieben uns verwehrt. Leicht niedergeschlagen ging es zurück zum Mülbensattel. Unterwegs probierten wir die Videofunktion unserer Kameras erstmals aus. In einigen Nahbereichsaufnahmen versuchten wir die Besonderheiten des Schwarzwaldes in Szene zu setzen. Wieder in der Unterkunft angekommen, machten wir uns kurz frisch. Gegen Abend lockerte der Himmel immer mehr auf. Deshalb griff jeder zu seiner Ausrüstung um erstmalig den Sonnenuntergang im Schwarzwald festzuhalten. Die Suche nach einem Spot führte uns zur Schwarzwald-Hochstraße. Problematisch war die, durch tief hängende Wolken, eingeschränkte Sicht. Auf Höhe des Lotharpfades, welcher seinen Namen durch einen Sturmwurf des Orkanes „Lothar“ am 26. Dezember 1999 erhielt, bemerkten wir ein großes Loch in der Wolkendecke und hielten an. Der Walderlebnis- und Lehrpfad liegt im Naturschutzgebiet Schliffkopf. Die 10 Hektar große Sturmwurffläche wurde sich selbst überlassen. Dadurch sollte die natürliche Regeneration des Waldes langfristig beobachtet werden. Wir postierten uns auf dem nahe gelegenen Aussichtsturm in Mitten des neuentstehenden Waldgebietes. Die Sicht in Richtung Westen war an diesem Abend sehr diesig. Es lag sehr viel Dunst in der Luft, dadurch verlor die Sonne sehr schnell an Kraft. Dies führte dazu, dass wir unser eigentliches Vorhaben abbrachen. Dafür beobachteten wir ein anderes Naturphänomen. Direkt über unseren Köpfen lösten sich die aus Südost herannahenden Wolken an der abfallenden Bergkante auf. Um den Wolken zu entfliehen, fuhren wir ins Tal und in Richtung Westen. Unsere Vermutung bewahrheitete sich, da im Tal viel bessere Sichtverhältnisse vorherrschten. Als wir nun unter einem wolkenlosen Himmel standen, begann die Suche nach einer geeigneten Position für die Nacht. Nach reichlich einer Stunde wurden wir auf einer Almwiese bei Ramsbach fündig. Unser Standort lag auf einer Anhöhe mit perfekter Sicht gen Südost. Nach einem kurzen Fußmarsch über die steil ansteigende Wiese, bauten Silvio und Marco ihre Kameras auf. Über mehrere Stunden verfolgten alle die Ereignisse am Himmel. Neben Sternen und unserer Milchstraße zeigten sich auch Iridium-Flares, Sternschnuppen, Satteliten und die Internationale Raumstation (ISS). Im Laufe der Nacht konnten wir erstmalig Bekanntschaft mit der Tierwelt des Schwarzwaldes machen. Und wer jetzt denkt, dass uns ein Reh oder Fuchs besuchten, täuscht sich gewaltig. Eine kleine Feldmaus ließ sich von unseren Stimmen und Taschenlampen nicht entmutigen. Sie saß nur wenige Meter weit von uns entfernt auf einem Halm und nahm ihr Nachtmahl zu sich. Wir nutzen die Chance und leuchteten sie ein wenig mit unseren Taschenlampen an, um sie zu fotografieren. Mit zunehmendem Mondaufgang ging die Fototour gegen 2 Uhr zu Ende und wir fuhren zurück in unsere Unterkunft.

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Nach einer erneut kurzen Nacht begann der nächste “Morgen“ gegen 11 Uhr. Der wenige Schlaf, der letzten Tage, zeigte langsam Wirkung. Aber dieser Morgen war anders, denn die Sonne schien durch die Fenster und es war wunderschönes Wetter. Nur ein paar kleine Wolken waren am Himmel zu sehen. Unsere Müdigkeit war augenblicklich verflogen. Deshalb galt die Devise, sofort die Ausrüstung packen und raus in die Natur. Auf der Fahrt in Richtung der lieb gewonnenen Schwarzwald-Hochstraße fuhren wir wieder durch die Gemeinde Bad Peterstal – Grießbach, in der wir nun schon seit fünf Tagen wohnten. Ein ganz besonderer Anziehungspunkt der Gemeinde ist die katholische Pfarrkirche St. Antionius im Ortsteil Bad Griesbach. Heute ist sie eines der schönsten Beispiele für Kirchen im Stil des Neoklassizismus in Baden. Auf dem Weg in Richtung Alexanderschanze kam der Schwarzwald in seiner schönsten und reinsten Form zum Vorschein, der Grund weshalb wir uns für dieses Reiseziel entschieden haben. Tiefe Täler und Schluchten ziehen sich hier durch die von Bergen gezeichnete Landschaft. Selbstverständlich konnten wir uns hier nicht zurückhalten und ließen Marco teilweise allein am Straßenrand zurück, um alle Motive ablichten zu können. Als wir die Steilen Serpentinen weiter hinauffuhren, fiel uns eine kahle Bergkuppe weiter oben ins Auge. Wir kramten also die Wanderkarten heraus und suchten nun speziell nach diesem Spot. Nach kurzer Beratung stellten wir fest, dass es sich dabei nur um den Renchtalblick handeln könne.

Mit dem Plan im Anschlag begann die Suche nach der Aussicht. Nach kurzer Zeit und guter Kartenkunde von Marco und Silvio kamen wir am gewünschten Ort an. Das erste Mal die wunderschöne Aussicht bei herrlichem Wetter genießen zu können, war ein wunderbares Gefühl. Da Marco bereits weiter unten, an einem anderen Punkt, wieder aus dem Auto “geschmissen“ wurde, genossen Silvio und Georg die Aussicht erst mal nur alleine. Alle zückten die Kameras und fotografierten darauf los. Nach gut 20 Minuten waren wir drei wieder vereint und die Reise ging weiter in Richtung des Gleitschirmstartplatzes Rossbühl. Diese Startplätze gibt es im Schwarzwald wie Sand an der Ostsee. Auf jeder Karte sind mehrere eingezeichnet und jeder für sich besitzt seinen ganz eigenen Charme. Als wir auf einer Bank am Rossbühl saßen und Marco nebenbei ein paar Panoramen fotografierte, fielen Silvio in der Ferne einige große Gewitterzellen auf. Wenn in Sachen Gewitter auf jemanden verlass ist, dann auf Silvio. Da die Gewitterköpfe aber noch hunderte Kilometer entfernt schienen, wanderten wir zum Panoramaausblick des Buchkopfturmes. Diesen „Geheimtipp“ erfuhren wir ebenfalls von unserer Vermieterin. Glücklicherweise war der Weg zum nächsten Spot nicht sehr weit, da der Gleitschirmstartplatz und der Aussichtsturm nur wenige Kilometer auseinander liegen. Neben einer guten Ausschilderung ist der Turm durch seine Bauhöhe von 28 Metern weit aus der Ferne zu erkennen. Der Weißtannenturm wurde in einer sechseckigen Bauweise errichtet und steht auf einer Anhöhe von circa 940 Metern. Die Aussichtsplattform befindet sich auf dem Buchkopf oberhalb des Maisachtals und bietet einen herrlichen Ausblick über das Renchtal und die Rheinebene. Selbst die Vogesen sind bei sehr guten Sichtbedingungen am Horizont zu sehen. Nach einiger Zeit des Genießens ging es weiter, da wir das schöne Wetter unbedingt ausnutzen wollten. Es ging ziemlich stressig bei uns zu, aber es war ein angenehmer Stress. Die Reise führte erst einmal wieder zurück in Richtung Bad Grießbach. Wir begutachteten den Blick von der Renchtalhütte. Die Hütte war bereits auf unserer Spotliste vermerkt und so sollte sie auch noch in unser Portfolio. Während Marco und Georg gemeinsam den Talblick fotografierten, war Silvio auf einmal nicht mehr auffindbar.

Nach kurzer Zeit kam er völlig aufgeregt zurück und berichtete uns vom herrannahenden Gewitter. In diesem Augenblick hörten wir das erste Donnergrollen. Sofort ergriff uns wieder einmal das Gewitterfieber und wir packten in Windeseile unsere Sachen zusammen. Aufgeregt begann die Spotsuche und es ging am Ende wieder in Richtung des Buchkopfturmes zurück. Kurz vor dem Turm gab es eine andere Aussicht, die uns einen perfekten Blick auf das Gewitter ermöglichte. Da das Gewitter schon recht nah war, bauten wir unsere Kameras in der Kohlgrube auf. Silvio und Georg konzentrierten sich voll und ganz, darauf Blitze einzufangen, während Marco sich mit dem bald beginnenden Schauspiel am Himmel beschäftigte. Über dem Tal kam der Regen, deutlich sichtbar, immer näher. Im Nachbartal hingegen schien noch die Sonne. Im Übergang zwischen Sonne und Regen begann der Kampf der Naturgewalten. Als der Regen uns erreichte, verstaute jeder sein Equipment und es ging in Richtung Pension. Im Wald blitze immer wieder die Sonne durch die Kronen der Bäume. Wir nutzten die Chance, ein paar Bilder in dieser herrlichen Lichtstimmung zu schießen. Georg stand einige Meter tief in dem steil ansteigenden Waldstück. Während des einsetzenden Regens nahm auch Silvio seine Kamera zur Hand und schoss eines seiner legendären “Hinter den Kulissen“ Bildern. Zuhause angekommen luden wir neben den Kameraakkus auch unsere eigenen wieder auf. Nach dem gemütlichen Abendessen auf dem Balkon starteten wir in aller Ruhe, um den ersten vielversprechenden Sonnenuntergang zu fotografieren. Unsere Reise führte uns auf den Bauernkopf und Marco sah zum ersten Mal die wunderschöne Aussicht des Renchtalblickes. Jeder suchte sich seine Position, um den Sonnenuntergang in Szene zu setzen. Marco positionierte sich auf einem kleinen Felsvorsprung und schoß dank des neuen Statives einige Panoramen. Georg hingegen wechselte einige Male seinen Standort, um den Vordergrund gezielt mit im Foto einzufangen. Silvio hielt sich an diesem Abend dezent im Hintergrund und genoss die Zeit ganz für sich. Wir beobachteten die zunehmende Dämmerung und schmiedeten Pläne über den weiteren Verlauf der Nacht.

Unser erster Gedanke viel auf die Stadt Freiburg mit ihrer historischen Altstadt. Am Ende verwarfen wir diese Idee jedoch und fuhren zu dem uns schon bekannten Lotharpfad. Da wir unsere Taschenlampen und die farbigen LED´s wieder mit an Bord hatten, wollten wir am Pfad ein eher klassisches Lightpainting durchführen. Die geschlängelten Stege boten sich wahrlich dafür an, sie einmal farbig in Szene zu setzen. Nach einigen Versuchen, mit unterschiedlichen Ausleuchtungen, erzielten Georg und Marco am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis. Silvio beobachtete währenddessen den Himmel und bemerkte, dass mit zunehmender Uhrzeit der Himmel immer mehr aufklarte. Dies wollten wir natürlich nutzen, um noch einmal die Milchstraße zu fotografieren. Gemeinsam standen wir am Auto und schauten in den dunklen Nachthimmel, an dem die Milchstraße nun immer deutlicher zu sehen war. Wir entschieden uns, den Standort noch einmal zu wechseln und fuhren auf den Parkplatz des Schliffkopfes, der eine perfekte Sicht in Richtung Südost bot. Wir richteten unseren Blick wieder nach oben und sahen die Milchstraße so deutlich wie noch nie. Hektisch kramte jeder sein Equipment aus dem Kofferraum und baute die Kamera auf. Ab diesem Moment nutzen wir jede Sekunde, um unsere Galaxie mit dem Sensor der Kameras einzufangen. Während Silvio, unser Astrofotograf im Team, und Marco sich voll auf die Schönheit unseres Hauptmotives konzentrierten, wollte Georg diesmal ein Bild “Hinter den Kulissen“ schießen. Er positionierte eine auf dem Parkplatz befindliche Bank in seinem gewünschten Bildausschnitt. Nach einigen Versuchen, um die Belichtung perfekt einzustellen, setzten wir uns gemeinsam auf die Parkbank und mussten ab diesem Moment für circa 25 Sekunden absolut still sitzen. Das mag sich für den ein oder anderen sehr leicht anhören. Unser Problem war aber ein sehr aggressives Kleininsekt namens Mücke. Diese flog im Sekundentakt auf unsere Gesichter und nutze die Möglichkeit, einmal ganz ungestört zuzustechen. Ein leises Klicken der Kamera erlöste uns, denn damit war die Belichtung abgeschlossen. In dieser Sekunde sprangen alle wild auf und versuchten die Mücke zu verscheuchen.

Zu unserer Verwunderung verschwanden die Mücken dann auch wieder. Deshalb probierten wir uns an einem Milchstraßenpanorama. Dies funktionierte für das erste Mal auch sehr gut und das Ergebnis stellte uns vollauf zufrieden. Da wir nun schon seit einiger Zeit fotografierten und gegen 3 Uhr der Mond aufging, war die Milchstraße immer weniger zu sehen. Wir packten also unsere Sachen zusammen und fuhren weiter zum Parkplatz unterhalb des Vogelkopfes. Von da hatten wir eine gute Sicht auf den aufgehenden blutroten Mond. Wir schossen nebenbei ein paar Fotos, aber genossen das Ereignis mehr mit unseren Augen als mit der Kamera. Da wir an diesem Ort ungestört waren und nachts kaum ein Auto auf der Schwarzwald-Hochstraße unterwegs ist, nutzen wir die Gelegenheit und setzten eine Idee für unsere Mädels um. Silvio malte mit seinen farbigen LED´s ein großes Herz in die Dunkelheit, während Georg sich um die Namen kümmerte. Wir fanden es eine tolle Idee und druckten die Bilder später noch als Geschenk aus. Auch Landschaftsfotografen haben manchmal also eine romantische Ader;). Nachdem es langsam dämmerte, fuhren wir alle geschafft von diesem langen Tag nach Hause und wollten einfach nur ins Bett. Gemeinsam saßen wir am Küchentisch und natürlich konnte es nicht lange dauern, bis die Müdigkeit weggeredet wurde. Es wartete schließlich ein wunderschöner Sonnenaufgang auf uns. Georg und Marco suchten auf den Wanderkarten einen Spot, um den ersten schönen Sonnenaufgang mit den Kameras festzuhalten. Doch auf den Karten wiesen die meisten Aussichten gen Westen, also nur geeignet für Sonnenuntergänge. Da Silvio lieber seine Nachtaufnahmen auswerten wollte, beschlossen wir, einfach mal in Richtung Kniebis zu fahren. Auf der Fahrt begann die Suche nach einem geeigneten Standort, aber nichts sagte uns so richtig zu. Kurz bevor wir den Sonnenaufgang abhakten und uns bereits auf dem Heimweg befanden, entdeckte Georg einen Waldweg, der in Richtung Osten führte. Wie vom Blitz getroffen drehten wir um und fuhren einfach mal auf dem ausgebauten Waldweg entlang. Nach einem halben Kilometer sah Marco ein Hinweisschild, welches den Weg in Richtung der Aussicht „Ellbachsee“ wies. An einem kleinen Parkplatz hielten wir an und schulterten unsere Kameras. 

Nach einem kurzen Fußmarsch von circa 5 Minuten entdeckten wir durch die Bäume eine atemberaubende Aussicht. Wir konnten es einfach nicht fassen. Für uns beide war dies der perfekte Spot. Alles war perfekt. Wir schauten von der 150 Meter über dem See gelegenen Aussichtsplattform in die Tiefen des Schwarzwaldes. Als Naturschutzdenkmal ist der Karrsee mit seiner Wasserfläche, die umgeben von einem Bultenmoor ist, ein eigenständiges Biotop für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Die Aussichtsplattform am Ellbachseeblick öffnete erstmalig im August 2013. Der weit schweifende Blick lädt wahrlich zum Verweilen ein. Wir positionierten unsere Kameras und warteten gespannt bis sich die Sonne über dem vom Nebel bedecktem Tal erhob. Wir waren so glücklich, diese Aussicht gefunden zu haben und fotografierten gute zwei Stunden. Doch langsam machte sich bei uns die Müdigkeit bemerkbar und wir fuhren mit bester Laune in Richtung Pension zurück. Für uns gab es jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder wir legen eine kurze “Nachtruhe“ ein oder wir frühstücken gemütlich und nutzen das gute Wetter weiterhin aus. Doch die Wettervorschau für den Nachmittag zeigte weiterhin gutes Wetter an, deshalb entschieden wir uns für ein Powernapping.

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Nach knapp drei Stunden Schlaf begann für uns der letzte Tag im Schwarzwald. Auf dem Weg zur Schwarzwald-Hochstraße und dem Schliffkopf bemerkten wir zu unserem entsetzen, dass das Wetter alles andere als traumhaft war. Anstatt eines blauen Himmels sahen wir mehrere Gewitterzellen am Horizont. Deshalb stoppten wir an der Alexanderschanze. Als die ersten Blitze zu sehen waren, baute jeder sein Equipment auf und die “Fotojagd“ begann. Um einen Blitz am Tag auf die Linse zu bekommen, bedarf es sehr viel Glück, Ausdauer und einer schnellen Speicherkarte. Immer wieder wechselten wir die Positionen, da der Regen uns einholte. Gegen 16 Uhr brachen wir die Tour ab. Schlechte Sicht und ständig einsetzender Regen machten ein weiteres Fotografieren unmöglich. Kurz vor der Unterkunft fiel uns der Holschenwasserfall wieder ein. Diesen entdeckten wir durch Zufall auf einer Wanderkarte und erkundeten ihn bereits ein paar Tage zuvor. Er ist nicht spektakulär, aber durch seine idyllische Lage am Waldrand ein lohnendes Motiv. Da der Wasserfall nur knapp 5 Minuten von der Pension entfernt lag, verbrachten wir noch einmal eine gute Stunde vor Ort. Mit Hilfe unserer ND Filter konnten wir Belichtungszeiten von bis zu 16 Minuten erreichen. Das gab dem Bild eine ganz besondere Stimmung. Im späteren Verlauf des Tages packten wir unsere Sachen und ließen den Abend entspannt ausklingen. 

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Jetzt werden sich sicherlich viele von euch fragen, was unser Fazit der ersten Fotoreise ist. Auf jeden Fall lernten wir, dass das Wetter im Schwarzwald nicht einfach zu berechnen ist. Innerhalb von wenigen Stunden kann das Wetter im Schwarzwald umschlagen. Vielleicht wird dadurch ein Urlaub im Schwarzwald erst zu etwas besonderem. Auf jeden Fall würden wir sofort noch einmal in den Schwarzwald reisen, um weitere tolle Momente festzuhalten. Wir lernten neben viele netten Menschen, auch eine wundervolle Ecke Deutschlands kennen. Sehnsüchtig denken wir gern an die wundervolle Landschaft zurück. Der Schwarzwald bietet so viele Motive und Besonderheiten, dass man in einer so kurzen Zeit nur einen winzig kleinen Einblick davon bekommt.

 

Wir hoffen das Reisetagebuch gefällt euch und vielleicht geht einer eurer nächsten Urlaube auch in den Schwarzwald. Wir können es jedem wärmstens empfehlen. Wenn ihr Ideen, Fragen oder Anregungen habt, schreibt uns gern eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

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