Brandenburg an der Havel

Diesmal wird unser Urlaubsbericht etwas anders ausfallen als die bisher bekannten Berichte. Dies hat als Erstes zeitliche Gründe, da das Schreiben und Bearbeiten allein an Georg, der ohne seinen Fotokollegen Marco unterwegs war, „hängen“ bleibt;). Außerdem möchte Georg diesmal mehr auf das Fotografische bei den Foto´s eingehen und nicht wie im Urlaubsbericht aus den Schwarzwald viel Geografisches rund ums Foto erzählen. Wir hoffen der Bericht ist trotzdem spannend und abwechslungsreich gestaltet. Doch genug der Vorreden, jetzt geht es endlich los. An einem sonnigen Sonntagmorgen gegen 11 Uhr startete ich meine Reise in Richtung Norden. Im Navigationsgerät meines Autos stellte ich die Stadt Brandenburg an der Havel als Zielort ein und nach circa 250 Kilometern kam ich auch schon, bei schönstem Wetter, in der Wiege der Mark an. Nachdem ich erst einmal meinen Koffer auspackte und mich ein wenig akklimatisierte, zog es mich dann am späten Nachmittag auch das Erste mal nach draußen, um die Stadt und die Umgebung zu erkunden. Nach einiger Zeit fuhr ich über eine der vielen Brücken der Stadt, welche über die Havel oder ihre Seitenarme führen und sah aus dem Auto einen Ort, der mich interessierte. Auf die Schnelle wurde gewendet, ein Parkplatz gesucht und schon war ich am ersten Spot meiner Reise angekommen.

 

Am Ufer der Havel lagen Bäume und Steine im Wasser. Dies mag ich immer sehr, weil sie einen wundervollen Vordergrund für ein Landschaftsbild bieten. Zu meiner Rechten erhob sich auch noch die recht ansehnlich konstruierte Brücke, die auch ein gutes Bild ergab. Aber als Erstes konzentrierte ich mich auf einen abgebrochenen Ast, der in die Havel ragte. Wahrscheinlich passierte dies bei den vergangenen Unwettern, die auch hier arg tobten. Ich positionierte meine Kamera in circa 60 cm Höhe auf meinem Stativ und stellte die Kamera hochkant, um den Vordergrund besser mit ins Bild zu bekommen. Dieser war zwar nicht wirklich spektakulär, aber die Unmengen von Muscheln fand ich doch sehr interessant und wollte sie mit im Bild haben. Nach den ersten Belichtungen, die ich mit einer Verschlusszeit von 1/40 s knipste, war der Vordergrund zwar perfekt belichtet, aber der Hintergrund war das Problem. Dies ist aber ein bekanntes Problem für jeden Landschaftsfotografen. Da unser Anspruch ein anderer ist, als alles nur mit Photoshop zu „retten“, gibt es für solche Fälle Verlaufsfilter. Diese gibt es als Schraubfilter, aber auch als Filterplatten, welche dann frei vor dem Objektiv hoch und runter geschoben werden können. Marco und ich entschieden uns von Anfang an für die Filterplatten, weil man dadurch seine Bilder besser anpassen kann, ohne den Bildausschnitt zu verändern. Ich schraubte also den Filterhalter vor mein Objektiv und steckte die ND8 Filterplatte mit dem weichen Verlauf ein. Dazu ist kurz zu erklären, dass ein ND-Filter (neutraldichte Filter) u.a. die Belichtungszeit der Kamera beeinflusst. Das bedeutet, dass an der Stelle wo der ND8 Filter auf das Bild einwirkt, der Kamerasensor weniger Licht einfängt und das Bild dunkler wird. Ich probierte noch ein paar Bilder aus und entschied mich für eine Belichtungszeit von 1/50 s mit dem ND8 Verlaufsfilter. Nun war das Bild perfekt belichtet und ich zufrieden:). Eigentlich wollte ich schon aufbrechen, da ich langsam etwas Hunger bekam, aber ich drehte mich um und sah noch einmal auf die Brücke. Die Kamera war noch fertig aufgebaut und so nutze ich die Chance und fotografierte auch noch diese. Ich suchte mir wieder einen der umgefallenen Bäume und positionierte mich so, dass mir der Bildausschnitt gefiel. Eine der „wichtigsten“ Regeln in der Fotografie ist der Goldene Schnitt oder die drittel Regel. Der Goldene Schnitt ist eine Aufteilung des Bildes in einem bestimmten Teilungsverhältnis. Exakt dieses Teilungsverhältnis kommt extrem oft in der Natur vor und wird im Allgemeinen vom Mensch als harmonisch empfunden. Leichter als der "Goldene Schnitt" fällt die Bildgestaltung nach der"Drittel-Regel". Hierbei wird das Bild gedanklich durch je zwei horizontale und vertikale Linien geteilt und so in neun gleiche Teile gegliedert. Also versuchte ich in diesem Foto alles etwas danach auszurichten. Nach einiger Zeit hatte ich an diesem Spot genug eindrücke gesammelt und fuhr nach Hause, um meinen Hunger zu stillen und endlich unter die Dusche zu springen.

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Am nächsten Morgen wurde erst einmal ordentlich ausgeschlafen, denn schließlich war ich diesmal nicht nur zum Fotografieren im Urlaub. Kurz nach einem verspäteten Frühstück zog es mich dann wieder raus in die Stadt, um sie weiter mit meiner Kamera zu erkunden. Nach zwei Spots, die auf den ersten Blick genial erschienen, aber leider fotografisch sehr schwer abzulichten waren, zog es mich weiter zum wohl bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Brandenburg an der Havel. Hierbei handelt es sich um den Dom Sankt Peter und Paul, welcher als „Mutter aller märkischen Kirchen“ überregionale kulturhistorische Bedeutung besitzt. Das Bauwerk war die Kathedrale des Bistums Brandenburg und liegt auf der nach ihm benannten Dominsel Brandenburg, die geschichtlich eine eigene Gemeinde war und seit der Eingemeindung 1929 ein Stadtteil ist. Die Grundsteinlegung für den heutigen Dombau erfolgte am 11. Oktober 1165. Da es im Internet von Frontalaufnahmen des Domes geradezu wimmelt, wollte ich wieder einmal etwas anders haben. Ich suchte mir also ein anderes Plätzchen und fand diesen auf einer Brücke, die direkt über den Domstreng, einem Seitenarm des kleinen Beetzsee, führt und positionierte meine Kamera so, dass das Brückengeländer ungefähr in die Bildmitte führt. Dadurch entstehen natürliche Führungslinien. Diese sollen den Betrachter zum eigentlichen Motiv leiten. Nach einigen Fotos, die ich mit einer Blende 10 und einer Verschlusszeit von 1/160 s machte, gefiel mir das fertige Bild auf dem Kameramonitor doch schon ganz gut und ich beschloss, weiter zu ziehen.

Als Nächstes fand ich einen Bootsanleger. An diesem wurden Fahrten auf dem Brandenburger Stadtkanal und weiter auf die Havel angeboten. Dieser Anleger reichte geschwungen hinaus auf den Kanal und auch ein Boot war dort gerade festgemacht. Ich suchte mir einen passenden Position und fuhr mein Stativ ausnahmsweise auf Brusthöhe aus, was ich wirklich sehr selten mache und steckte meine Kamera auf den Stativkopf. Ich montierte wieder meinen Verlaufsfilter vor das Objektiv und wählte, wie mir gerade bewusst wird, eine für diese Landschaft völlig sinnfreie Blende f/5,6 :D. Aufgrund der relativ weit geöffneten Blende erreichte ich eine Belichtungszeit von 1/640 s, welche ich wahrscheinlich benötigte, um den Schwan, der durch das Bild schwamm, auch scharf zu bekommen ;). Als Filterscheibe benutzte ich diesmal einen ND4 Filter mit weichem Verlauf. Mein zweites Bild an diesem Spot war eigentlich schon perfekt, sodass ich ab diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch die Schönheit des Momentes genoss und auf das Wasser und die Landschaft schaute. Kurz darauf packte ich meine Sachen zusammen und beendete den Tag glücklich mit meinen Bildern.

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Der nächste Tag stand nun wirklich im Zeichen der Erholung und des Krafttankens. Deshalb verbrachte ich viel Zeit an Seen und Kanälen, um dort die Ruhe zu genießen. Dabei entstand auch ein Bild, welches vielleicht nicht das Schönste ist, das ich je fotografiert habe, aber dennoch für diese Tage in Brandenburg an der Havel steht. Für mich strahlt es beim Betrachten genauso viel Ruhe aus, wie ich beim Ablichten dieses Bildes erfuhr. Ich positionierte meine Kamera sehr weit unten, circa 15 bis 20 cm über dem Ufer des Sees und suchte mir einen Schnitt im Bild, der mir gut gefiel. Ich versuchte das Ende des Stegs in die Bildmitte des Fotos zu bekommen. Wiedereinmal nutzte ich meinen ND8 Verlaufsfilter. Mit einer Blende 11 und einer Belichtungszeit von 1/30 s gelang mir dann auch ein korrekt belichtetes Bild.

Pünktlich zum Sonnenuntergang zog es mich dann noch einmal in die Brandenburger Altstadt. Die älteste Stadt des Landes Brandenburg entstand ursprünglich einmal als Doppelstadt. Obwohl zwischen der Gründung der beiden wichtigsten Stadtteile Neustadt und Altstadt nur 26 Jahre liegen, waren es lange Zeit zwei selbstständige Städte. Viele Jahrhunderte, nur durch die Havel getrennt, agierten beide Städte völlig unabhängig voneinander. Gut 500 Jahre später wurde durch den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. die „Zwangsvereinigung“ vollzogen. Aber auch in der heutigen Zeit ist der mittelalterliche Charakter der Altstadt immer noch sehr gut zu erkennen. An diesem Abend wollte ich die Chance nutzen, um die Stadt in der blauen Stunde zu fotografieren. Ich suchte mir also einen schönen Spot und fand diesen auf der Jahrtausendbrücke mitten in der Altstadt. Von dieser konnte ich in einen kleineren Hafen sehen, der recht stilvoll beleuchtet war. Den Anblick wollte ich festhalten und baute meine Kamera mitten auf der Brücke auf. Ich musste das Stativ auf seine volle Höhe ausfahren, damit ich über das recht hohe Geländer der Brücke fotografieren konnte. Ich schaltete meine Kamera ein und wählte diesmal eine Blende 14 und beließ die ISO Einstellung bei 100. Dies versuche ich immer, um das Bildrauschen völlig zu vermeiden. Aufgrund der niedrigen ISO Empfindlichkeit der Kamera belichtete ich 25 s lang, um die blaue Stunde perfekt auf mein Foto zu bekommen. Diesmal waren weder Filter noch etwas anderes notwendig. Denn genau das macht die blaue Stunde zu dem, was sie ist, einem Phänomen. In der blauen Stunde besitzt der tiefblaue Himmel etwa dieselbe Helligkeit, wie das künstliche Licht von Gebäude- und Straßenbeleuchtungen. Nachdem ich mein Foto auf der Brücke erledigt hatte, packte ich schnell zusammen und machte mich auf den Weg hinunter. An der vorbei fließenden Brandenburger Niederhavel stellte ich mein Stativ vor dem Gebäude der Stadtwerke Brandenburg auf und fotografierte dieses moderne aber wundervolle designte Bauwerk. Durch die verschiedenen Farben des Holzes strahlte das Gebäude in der blauen Stunde besonders schön. Dennoch konnte ich nicht lange innehalten, da die blaue Stunde langsam zu Ende ging. Ich wollte aber unbedingt die Möglichkeit nutzen, um den Hafen mit einem hier festgemachten Boot zu fotografieren. Ich stellte also meine Kamera hinter einem Geländer auf und fing an. Diesmal stellte ich an meiner Kamera eine Blende 11 ein und veränderte die ISO Empfindlichkeit auf 250. Bei einer Vollformatkamera, wie meiner, ist dies absolut kein Problem, da selbst bei einer ISO 6400 immer noch akzeptable Bilder heraus springen. Mit diesen besagten Einstellungen kam ich auf eine Belichtungszeit von genau 30 s. Als nach den ersten 30 s der Spiegel der Kamera zuklappte und das Bild auf dem Monitor angezeigt wurde, verliebte ich mich sofort. Ich fand das Bild war einfach nur der absolute Hammer. Ich schoss noch eine ganze Weile weiter Fotos und beobachtete wie sich die blaue Stunde immer mehr verabschiedete. Als ich später nach Hause fuhr, war ich vollkommen zufrieden.

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Am nächsten Mittag verabschiedete ich mich auch schon wieder aus der Stadt Brandenburg an der Havel. Mein Weg führte mich weiter nach Prag, in der ich auch noch ein paar wunderschöne Tage verbrachte. Als Fazit bleibt nur zu sagen: Brandenburg ist eine wunderschöne Gegend, die oft völlig unterschätzt wird. Mit den vielen Seen und Kanälen lädt sie wundervoll zum Entspannen ein. Die malerische Altstadt hat mindestens genauso viel Charme, wie die historischen Altstädte unserer Region. Ich kann nur jedem einmal empfehlen, sich ein paar Tage die Zeit zunehmen und die Schönheit selbst zu erleben.

 

 

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